Hallo meine Lieben aus der Heimat!
Kaum zu glauben, mir bleiben tatsächlich nur noch 2 Monate hier in Panama!
Mein letzter Post hatte die Überschrift "Halbzeit". Tja, das ist lange her und seit dem ist eine Menge passiert. So viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll und viel zu viel um alles jemals aufschreiben zu können. Es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber es ist einfach wirklich immer etwas los, aber in Gedanken seid ihr immer bei mir.
Das Wichtigste zuerst: mein 3. Gastfamilienwechsel
vor mittlerweile schon über 2 Monaten. Warum ich ein weiteres Mal wechseln musste hatte sehr viele Gründe, die ich hier nicht alle aufzählen kann und will. Ich habe mich bei meiner alten Gastfamilie nicht mehr wohlgefühlt und konnte dort einfach nicht glücklich werden, was zum größten Teil an meiner Gastmutter lag. Die Familie war, vor allem für panamenische Verhältnisse sehr reich und meine alte Gastmutter sehr streng und ernst. Von Anfang an hatte ich kein besonders gutes Verhältnis zu ihr, einfach weil sie so unglaublich anders ist. Alles muss seinen Platz haben und wehe die Schuhe stehen auch nur 2 Zentimeter zu weit rechts oder der Badbeutel steht auch nur einen Spalt offen. Das hört sich vielleicht übertrieben an, aber es war leider wirklich ganz genau so. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit versucht, mich anzupassen, ich dachte es liegt an mir und ich übertreibe vielleicht einfach nur, ich habe wirklich versucht ihr immer alles recht zu machen, aber das war nahe zu unmöglich. Egal wie, sie fand immer etwas, das ihr nicht passte. Auf die Dauer wurde mir klar, dass ich so nicht weitermachen konnte, dass ich so nicht glücklich war und ich etwas ändern musste, damit es besser werden kann. Mit meinem Gastvater und vor allem meiner jüngeren Gastschwester, die ich wirklich in mein Herz geschlossen habe, hatte ich keine Probleme, aber niemand hatte sich jemals getraut etwas gegen die Mutter zu sagen und ich habe für mich entschlossen, etwas ändern zu müssen. Die Geschichten dazu sind lang und größtenteils ziemlich traurig, deswegen erspare ich sie euch. Ich war einfach nur noch unglücklich dort zu sein, nach der Schule wollte ich nicht mehr nach Hause kommen, weil ich mich so unwohl gefühlt habe. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten, weil ich so fertig war, ich habe meinen Koffer gepackt und mir war klar: Egal wo hin, aber von hier muss ich weg! Also bin ich am nächsten Tag nach der Schule mit einer Freundin meine Sachen abholen, habe mich verabschiedet und ein neuer Abschnitt meines Auslandsjahres hat begonnen. Niemand kann sich vorstellen, wie befreiend dieser Schritt für mich war. Ich wusste zwar noch nicht was mich erwarten würde, doch ich war mich sicher, dass es nur besser werden konnte. Die erste Nacht konnte ich bei einem Freund übernachten, danach bin ich samt meinem ganzen Gepäck zu Johanna gegangen, wo ich letztendlich ganze 3 Wochen bleiben konnte. AFS hat es mal wieder nicht auf die Reihe bekommen, nach neuen Familien zu suchen, wie sollte es auch anders sein. Hiermit muss ich Johanna und ihrer Gastfamilie nochmal danken, dafür dass sie mich so freundlich aufgenommen haben! Ich habe wirklich keine ahnung, was ich ohne sie hätte machen sollen! DANKE FÜR ALLES! Nach 3 Wochen, die ich dort verbringen konnte, bekam ich einen Anruf von einer Familie, die natürlich nicht AFS gefunden hatte, sondern ein Freund des Cousins einer Freundin von mir. Meine jetzige Familie!!:-) Nach vielen Gesprächen, einem Besuch mit Johanna bei der Familie und Anrufen bei AFS konnte ich dann auch tatsächlich wechseln. Dieses mal hatte ich keine Angst vor dem Neuanfang, ich habe mich darauf gefreut und war gespannt was auf mich zukommen wird. Mittlerweile kann ich mit Sicherheit sagen: das war die beste Entscheidung, die ich je hätten treffen können! Ich fühle mich besser als je zuvor, ich habe meine zweite Familie gefunden und ich bin überglücklich hier sein zu dürfen! Alles, was ich in diesem Jahr erlebt und dazugelernt habe, alle Erfahrungen auf die ich eigentlich so gerne hätte verzichten können, all das hat sich gelohnt, einfach weil ich jetzt in meiner Familie bin. Es ist unglaublich wie wohl ich mich hier fühle, ich bin so froh sie wirklich MEINE Familie nennen zu dürfen, ich werde als Familienmitglied behandelt, wie die eigene Tochter und Schwester und es ist ein so schönes Gefühl zu wissen, dass man willkommen ist! Noch nie zuvor habe ich mich so wohl gefühlt, wie ich mich zur Zeit fühle, ich bin hier einfach zu Hause. Ich habe eine Mama, einen Papa und vier Geschwister, 3 Brüder von 16, 12 und 10 Jahren und eine kleine Schwester von 5 und mit allen verstehe ich mich so super gut. Sie kommen aus Brasilien und wohnen erst seit 5 Jahren in Panama, das heisst zu Hause reden sie unter sich meistens portugiesisch. Anfangs dachte ich, dass das vielleicht Probleme geben könnte, dann war ich fest davon überzeugt noch portugiesisch zu lernen, aber weil mein Spanisch einfach schon wirklich gut ist und sie mit mir sowieso immer auf spanisch reden, macht es kaum einen Unterschied und portugiesisch kann ich irgendwann ja immer noch lernen!;-) Und jetzt habe ich eben eine brasilianische-panamenische Familie, wer hat das schon?:-) Jetzt bin also ich die Mara Cabrales und wohne in den Villen des Südens, wie mein Stadtviertel übersetzt heisst. Tja, und ich bin GLÜCKLICH, wirklich glücklich und das ist das aller wichtigste! Endlich habe ich meine Familie gefunden und wirklich alles ist perfekt!Nach 3 Monaten Ferien, Sommer, Sonne, Strand, Festen, Reisen und Nichts tun hat dann auch hier in Panama wieder die Schule angefangen. Unglaublich wie schnell doch 3 Monate vorbeigehen können, wenn man schulfrei und ein ganzes Land zu erkunden hat. Da waren doch 3 Monate fast zu kurz!;-) Die Sonne hat wirklich jeden Tag gnadenlos vom blauen wolkenlosen Himmel gestrahlt und nur selten war es unter 35 Grad! Der "Sommer", also die Trockenzeit war in vollem Gange und es hatte schon ewig nicht mehr geregnet. Ich war mitten im Hochsommer und umso unvorstellbarer war es für mich, dass in Deutschland bei Minusgraden Schnee lag, während ich am anderen Ende der Welt schon seit Ewigkeiten nur in kurzer Hose und Top rumlief. Es hat sich angefühlt wie in einem Film und das tut es manchmal immer noch. Wie ein schöner Traum und irgendwann werde ich aufwachen und mich fragen, ob das ganze überhaupt stattgefunden hat. Dann hieß es nach gefühlten Ewigkeiten wieder früh aufstehen und in meiner schicken Schuluniform in meine neue Schule. Und ich muss sagen: Ich fühl mich viel wohler als in meiner alten Schule! Sehr wahrscheinlich liegt das größtenteils daran, dass mein Spanisch mittlerweile einfach viel besser ist, ich verstehe wirklich alles und kann mich einfach verständigen, das erleichtert alles so sehr! Ich mag meine Klasse und auch wenn ich eigentlich nur eine richtige Freundin habe, weil die Panamenier eben wirklich ihre eigene Art haben und auch für die Schule wirklich sehr viel gelernt wird, ist es ok und ich habe mich damit abgefunden, in diesem Jahr nicht die besten Freunde fürs Leben zu machen, die habe ich schließlich sowieso schon zu Hause in Deutschland. Also verbringe ich die meiste Zeit in der Schule mit Schlafen oder Tagebuch Schreiben. Was für ein Leben!;-) Aber ich habe mir eben vorgenommen, meine Zeit hier zu geniessen, die Zeit, in der ich mich mal nicht um Schule und Noten kümmern muss, denn das kommt danach noch genug! Und ich bin auch nie die einzige, die im Unterricht schläft und bis jetzt wurde ich auch erst einmal von meiner Englisch Lehrerin aufgeweckt!:-D Achja, in Englisch lernen sie gerade die Konjugation von dem verb "to be". Ich bin in der Jahrgangsstufe 12 und sie haben schons eit 6 Jahren Englisch, da stellt sich doch die Frage, was sie die ganzen Jahre zuvor gelernt haben. Das kann sich wirklich niemand vorstellen, denn das alles muss man einfach selbst erlebt und gesehen haben um es verstehen zu können. Das Leben hier ist einfach anders, so unglaublich anders, in allem und es hat lange Zeit gedauert bis ich mich daran gewöhnt habe. Mittlerweile bin ich schon fast vollständig panamesisch! Naja, jetzt ja sogar ein wenig brasilianisch :-)
Was gibt es noch neues? Ach ja, ich bin 17!;-)
Es ist so schön, zu wissen dass man Freunde hat, die trotz 10000 km Entferung für einen da sind und ich vermisse sie wirklich und kann kaum erwarten meine Lieben bald wiederzusehen!
Ansonsten war ich noch viel am reisen, ich war mit Johanna in einem kleinen Bergdorf für einen Tag, wir haben die Natur angeguckt, waren im Zoo, in Thermalbädern mit Natur-Gesichtsmasken, ein Wochenende mit ihr und ihrer Familie am Strand, an dem ich auch gesurft habe (ich LIEBE es!), dann war ich mit Mina und Marie auch nochmal am Strand, wir haben in einem kleinen Dorf bei Verwandten von Marie übernachtet, dann war ich ein paar Tage war ich mit Annelies und einer Freundin von ihr in Panama City, von wo aus wir auch mit dem Boot auf eine Insel gefahren sind und wirklich schöne Tage hatten! Dann war ich ein Wochenende lang bei Annelies und meiner ersten Gastfamilie in Los Santos, um sie zu besuchen und auf die Feria, ein großes Fest dort zu gehen und es war auch wirklich schön alle nochmal wiederzusehen und vor allem auch zu sehen, dass sie froh waren, dass ich nochmal gekommen bin. Ich bin wirklich froh, dass mir meine Familie so viel erlaubt, aber ich glaube das liegt auch einfach daran, dass ich hier schon so viel selbstständig gemacht und unternommen habe und auch, weil sie einfach Vertrauen in mich haben. Reisen gehört eben auch zu einem Austauschjahr dazu, und meine Einstellung hat sich durch das Jahr so verändert.-in allem, und ich glaube das wird sich auch in Deutschland wirklich bemerkbar machen. Ich will die Welt sehen, REISEN so viel es geht, um so viele Erfahrungen wie möglich zu machen und von jedem Ort das Beste mitzunehmen!<3
Vor ein paar Wochen sind in ganz Panama für drei Tage alle Schulen und Universitäten ausgefallen. Es hat für diese Zeit viel zu wenig geregnet und weil die Flüsse, aus denen Energie gewonnen wurde, zu niedrig waren, gab es eine kleine Energiekrise und da verhindert werden sollte, dass es letztendlich garkeinen Strom mehr gibt, wurden die Schulen und Universitäten geschlossen, um eben Energie zu sparen. Ob das wirklich ganz so logisch war ist zu bezweifeln, schließlich verbrauchen Casinos und ähnliches eindeutig mehr Strom als Schulen, aber natürlich haben sich alle über die schulfreien Tage gefreut!;-) Wahrscheinlich kann man sich das in Deustschland kaum vorstellen und als ich davon mitbekommen habe konnte selbst ich es anfangs kaum glauben. Aber das ist Panama, eine so komplett andere Welt.
Mittlerweile habe ich ausnahmsweise auch schon wieder Ferien, eigentlich nur eine Woche nach dem ersten Trimester, aber da wir Austauschschüler die Prüfungen nicht mitschreiben müssen, hatten wir die Woche davor auch schon frei! ;-) Die sind aber wirklich wahnsinnig schnell vergangen! Die ganze letzte Woche war Kristin bei mir und ich habe mich wirklich gefreut sie wieder zu sehen! Ich hab ihr Santiago gezeigt, wir haben erzählt, gelacht, zusammen deutsche Kartoffelpuffer gemacht und es waren wirklich schöne Tage. Donnerstag sind wir mit dem Bus nach Panama City gefahren, wo wir uns endlich mal den Panama-Kanal angesehen haben und in der Mall shoppen waren, nachts sind wir dann wieder zurückgefahren. Ansosten war ich vor einiger Zeit mit meiner ganzen Familie im Schwimmbad, jeden Sonntag gehen wir zu meinen Großeltern grillen und in den Pool, ich mache viel mit den anderen Austauschschülern und auch wenn ich immer noch viel deutsch hier rede, es hilft einfach wirklich wahnsinnig viel und ich bin wirklich froh, dass ich sie habe! Am Mittwoch war ich mit Mina und Maja, meiner neuen deutschen Nachbarin, die hier Freiwilligen-Dienst macht, nochmal in Panama City. Wir sind mit meienm AFS-Betreuer hingefahren, waren in der Mall, ein bisschen shoppen und essen und haben abends wieder den Bus nach Hause genommen. Hier in Panama ist das so normal, für einen Tag mal eben 4 Stunden oder länger und das auch wieder zurück zu fahren.. Darauf wäre ich in Deutschland wirklich nie gekommen und hätte stattdessen jeden der mir mit dieser Idee gekommen wäre für verrückt erklärt. Mittlerweile ist es normal für mich und ich weiß, dass ich wenn ich in Deutschland bin wieder so schnell wir möglich weg will, neue Sachen sehen, Deutschland und die Welt erkunden. Denn was sind schon ein paar Stunden im Bus oder im Zug wenn man dafür Orte kennenlernt, die man davor nicht gekannt hat!
Die Regenzeit hat hier in Panama inzwischen begonnen und auch wenn es meistens immer noch über 30 Grad heiß ist, regnet es zur Zeit fast jeden Tag, das war aber auch wirklich nötig, nach einer so langen heißen Trockenzeit! In Deutschland ist es wie ich mitbekommen habe immer noch kalt und ich glaube ich kann wirklich froh sein, hier im warmen Panama zu sein.
Achja, natürlich gibt es noch etwas ganz wichtiges neues!
Ich werde in 2 Wochen, am 16. Juni in die USA, Virginia Bach, fliegen, um meine Halbschwester die dort mit ihren drei Kindern wohnt, zu besuchen. Ich kann immer noch kaum glauben, dass es wirklich wahr ist und ich freue mich wirklich unglaublich viel darauf!! Somit sind mit diesem Jahr nicht nur mein Traum von Panama, sondern auch mein Traum von der USA und vor allem, endlich meine Schwester kennenzulernen, wahr geworden! :-) Eigentlich hatte ich ja vor, im Januar dort hinzufliegen, aber weil das dann doch nicht geklappt hat, fliege ich eben jetzt. Normalerweise hätte ich auch Schule in dieser Zeit, aber das interessiert hier sowieso niemanden! :) Es ist nur wirklich krass, wie wenig Zeit mir dann eigentlich nur noch bleibt. Wenn ich wieder aus der USA zurück komme bleiben mir nur noch 3 Wochen, bis es wieder nach Hause nach Deutschland geht, unglaublich! Aber alles hat sein Ende und ich weiß, dass ich es nicht bereuen werde meine Schwester besuchen zu gehen, ich bin wirklich gespannt wie das alles wird und freue mich so sehr darauf, das kann sich niemand vorstellen! <3
Die Zeit vergeht so oder so wie im Flug und ich realisiere immer noch nicht wirklich, dass mein Jahr schon fast zu Ende ist. Es fühlt sich wie gestern an, als ich mich mit Tränen in den Augen am Flughafen von meiner Familie verabschiedet habe und jetzt werde ich sie schon bald wiedersehen. Und auch wenn ich hier wirklich nicht weg will, weil gerade alles so perfekt ist und ich nicht will, dass das alles einfach so endet: Ich freue mich so unglaublich, meine Familie und auch meine Freunde bald wiederzusehen und in den Arm nehmen zu können! Eines der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe, ist zu schätzen, was ich habe, zu schätzen, dass ich eine Familie habe, die ich über alle liebe und die auch am anderen Welt für mich da sind. Ich weiß jetzt wie wichtig sie für mich sind und ich weiß, dass alles anders sein wird, wenn ich zurück komme! Anders im positiven Sinne. Ich bin so dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte, ich habe in diesem Jahr mehr gelernt als ich es hätte irgendwo anders tun, ich bin so viel gewachsen und einfach selbstständig geworden. Im Moment macht mir der Gedanke in zwei Monaten mein Leben in Panama hinter mir zu lassen wirklich Angst, weil dann einfach alles zu Ende sein wird. Ich bin so gespannt, was auf mich zukommt, wenn ich wieder deutschen Boden unter den Füßen haben werde und so viele Gedanken gehen wir durch den Kopf. Wer wird am Flughafen sein, wer nicht, wie wird das Wiedersehen mit meiner Familie, die ich ein ganzes Jahr nicht gesehen habe, wie wird der erste Tag, die erste Nacht in meinem eigenen Zimmer in meinem eigenen Bett, was wird verändert sein, was ist immernoch genau gleich, wie haben sich die Personen geändert mit denen ich was zu tun hatte, wer wird mich verstehen und wer nicht, wer wird sich überhaupt die Zeit nehmen und mir zuhören. Der Gedanke ist einfach seltsam nach einem Jahr plötzlich wieder in sein altes Leben zurück zu kehren. Ein Jahr, in dem ich so viel erlebt habe und in dem so wahnsinnig viel passiert ist. Aber es wird ein Abschied geben, früher oder später musste es so sein, und gleichzeitig kommt das Wiedersehen mit den Personen, die ich hier so vermisse. Ich habe hier in Panama mein zweites zu Hause und meine zweite Familie gefunden, und das werden sie auch immer bleiben!
Danke meine Familie, Danke an alle die mich die ganze Zeit unterstützt haben. Danke dass mein Traum von Panama wahr werden konnte!
Ich vermisse euch und ich freue mich euch bald wiederzusehen!
Ganz viele Grüße und 1000 Küsse vom anderen Ende der Welt <3
















